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ANgeDACHT

Jungbrunnen Glauben

„Downaging“ und „Forever Youngsters“ sind zwei Trends, die schon vor einigen Jahren begonnen haben und uns sicherlich noch lange Zeit begleiten werden. Beide beziehen sich auf eine sich verändernde Einstellung zum Alter. „Downaging“ bedeutet, dass das subjektiv empfundene Alter sinkt, obwohl die statistische Lebenserwartung steigt. Viele möchten nicht alt sein, da die Alterung unserer Gesellschaft weitgehend als negativer Vorgang betrachtet wird. Deshalb ist für die „Forever Youngsters“ das Erreichen des Rentenalters keinesfalls der Beginn des Ruhestandes, sondern der Start in die beste Lebenszeit.

Diese Entwicklungen spiegeln die Möglichkeiten wider, die heute „Senior/-innen“ – der Begriff sei mir einmal erlaubt – im Gegensatz zu früheren Generationen haben: aufgrund besserer medizinischer Versorgung und vielerorts größerer finanzieller Möglichkeiten. Und das ist ein Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Doch auf das Strahlen der „Silver Society“ fällt auch mancher Schatten. Aus dem „Man möchte nicht mehr alt sein“, kann schnell ein „Man darf nicht mehr alt sein“ werden. Aus den gestiegenen Möglichkeiten im Alter ein Zwang, diese auch zu nutzen. Obwohl der oder die Einzelne sich vielleicht nicht mehr so fit fühlt. Denn trotz aller medizinischer Möglichkeiten sinken manche Fähigkeiten mit dem Alter – und das darf so sein und ist kein Makel. Und wenn Wirtschaft und Politik nur die „jungen Alten“ im Blick haben, geraten allzu schnell die vielen aus dem Blickfeld, die Hilfe brauchen. Es werden die vergessen, die sich selbst vergessen. Und bei aller Pflege der vielleicht nur scheinbaren Jugend werden die vergessen, die wirklich Pflege brauchen. Daran dürfte wohl kaum ein Zweifel bestehen: Der Zustand unseres Pflegesystems ist schon jetzt mehr als schwierig – und steuert auf eine Katastrophe zu.

Bei allen Diskussionen um die Bewahrung der Jugendlichkeit bis ins hohe Alter bleibt ein Aspekt unerwähnt: der Glaube. Er ist für mich wie ein Jungbrunnen, die Quelle meiner Lebendigkeit. Denn der Glaube fordert mich jeden Tag heraus, lädt zu Veränderungen ein, macht mich neugierig. Diese verjüngende Wirkung des Glaubens macht auch vor dem Alter nicht halt. Auch wenn die körperlichen Kräfte nachlassen, bleibt der Geist lebendig und hellwach. Und wenn am Ende des Lebens auch diese Kräfte nachlassen; ich Gefahr laufe, mich selbst zu vergessen, dann bin ich immer noch ein Jungspund – im Licht der Ewigkeit betrachtet, die Gott verheißen hat und auf die ich mich freuen darf. Und wenn ich mich selbst vergesse, darf ich auf eines vertrauen: Gott vergisst mich nicht, ich bleibe in jedem Alter sein Kind.

 

 

Letzte Änderung am: 25.01.2018